Ich bin seit einiger Zeit in einen Raum eingetreten, der mich erstaunt und neugierig macht.
Da sind auf der einen Seite so viele Gedanken und Worte, und gleichzeitig besucht mich zuverlässig ein Gefühl, das sagt, dass es gerade nichts zu sagen gibt.
Manchmal fühle ich mich sogar erschöpft und erschlagen angesichts all der Meinungen und Gewissheiten, denen ich überall begegne. Dabei bewundere ich aufrichtig alle jene, die sich so sicher sind in dem, was sie in Artikeln, Selbstoffenbarungen, Ratschlägen, Methoden und Kommentaren teilen. Die genau zu wissen scheinen, was richtig und falsch, gut und böse, hilfreich und verkehrt ist, wie Erleuchtung und Erwachen funktioniere und wie die Welt zu retten ist.
Ich weiß das nicht.
Ich finde mich immer mehr im Nicht-Wissen wieder. Sobald ein Gedanke, ein Impuls, vielleicht sogar die Idee einer „Wahrheit“ kommt, sind sie auch schon wieder davongeweht wie Federn im Wind. Ich kann nichts festhalten, und ich versuche es auch gar nicht mehr.
Darunter entdecke ich immer häufiger etwas anderes, eine Art Antwort auf meine Fragen, die bleibt: Stille.
Stille.
Und in ihr den Raum zu öffnen in ihre ganze Weite und sanfte Geborgenheit, in der die mannigfaltigen Möglichkeiten und Potenziale dessen, was sein kann, wie Traumbilder auftauchen.
Fast scheue ich mich davor, etwas davon manifest machen zu wollen. Ich kann nicht einmal mehr sagen, wie ich bin. So der so? Was genau denn jetzt? Und müsste ich nicht …? Doch ständig erlebe ich mich im Wandel, im freien Fließen, im Unbegreiflichen – und je mehr ich dieses Schwingen zwischen Polen, zwischen klaren Positionen, zulasse, desto leichter, „unbeschwerter“ und, lustigerweise, klarer fühle ich mich.
Alles darf so nebeneinander Platz haben: Mein Wissen und meine Unwissenheit, meine Fragen und das Gefühl von Orientierung und Richtung, meine Weisheit und mein törichtes Beharren, meine erlösten Anteile neben alten, hinderlichen Mustern.
Und noch eins kehrt neben der Stille und begleitet von ihr immer wieder zu mir zurück, wenn ich mich öffne: Die tiefe Verbundenheit, die ich in der Natur spüre, die unendliche Liebe dort. Die Zartheit einer Knospe im Frühling. Die mächtige Kraft eines alten, knorrigen Baumes. Das Zauberhafte eines neugeborenen Tieres. All das rührt mich oft zu Tränen und lässt mir Schauer über Schauer über den Körper laufen. Und dann weiß ich: Hier bin ich absolut richtig. Und: Ich muss gar nichts machen. Gar nichts erreichen. Gar nichts aufbauen. Meinen Weg nicht vorher kennen. Alles wird von ganz alleine kommen. Wenn ich der Magie des Lebens weiter vertraue und mich meinem Nicht-Wissen noch mehr hingebe.
Und so merke ich:
Ich weiß gerade gar nichts.
Und das ist ganz Wunder-voll so.